Scheidungskosten: Keine außergewöhnliche Belastung?

Für immer und ewig zusammen sein. Das wünscht sich jedes Paar am Tag seiner Eheschließung. Doch die Realität sieht anders aus.

Jedes Jahr veröffentlicht das statistische Bundesamt die aktuellen Zahlen der Eheauflösungen in Deutschland. Die jährlichen Ergebnisse der Scheidungsstatistik zeigen, dass zurzeit mehr als jede dritte Ehe aufgelöst wird. Eine Scheidung ist nun nicht mehr außergewöhnlich.

Deshalb hat das Niedersächsische Finanzgericht am 09. März 2015 entschieden, dass Scheidungskosten ab dem Jahr 2013 nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen im Sinne des § 33 EStG steuerlich berücksichtigt werden können.

Ein Abzug der Gerichts- und Anwaltskosten des Scheidungsverfahrens wäre jedoch möglich, im Falle, dass die materielle Existenzgrundlage durch die entstehenden Kosten bedroht wäre. So haben einzelne Finanzgerichte (FG Rheinland-Pfalz und FG Münster mit Urteilen v. 16.10.2014 – 4 K 1976/14 und 21.11.2014 – 4 K 1829/14) entschieden, dass auch nach der Änderung des § 33 EStG die unmittelbaren Prozesskosten steuerlich geltend gemacht werden können.

Die Rechtslage hinsichtlich der Abzugsfähigkeit von Prozesskosten ist nun überhaupt nicht eindeutig. Der BFH hat diesbezüglich noch nicht entschieden und eine ständige Rechtsprechung der Finanzgerichte fehlt auch.

Das bedeutet, dass Gerichts- und Anwaltskosten unter Umständen dennoch steuerlich geltend gemacht werden können. Deshalb ist es ratsam, diese weiterhin im Rahmen der Einkommensteuererklärung zu berücksichtigen. So kann man sich später auf die Entscheidung des BFH berufen, falls dieser die Abzugsfähigkeit der Kosten bestätigt. Im Falle, dass das Finanzamt den Kostenabzug verweigert, sollte man unbedingt Einspruch einlegen und erstmal die Ruhe des Verfahrens beantragen.

Die Prozesskosten für Scheidungsfolgesachen, beispielsweise Vermögensauseinandersetzung, Unterhalt, Sorgerecht, sind dagegen unstreitig nicht mehr abzugsfähig. Denn die Eheleute können noch im Vorfeld  alle möglichen Fragen klären und dazu beitragen, dass diese Kosten gar nicht entstehen.

Bei Trennung und Scheidung ist eine individuelle Beratung in steuerlichen Fragestellungen, Problemen und Risiken unbedingt notwendig. Die sapienti AG klärt Sie auf, welche steuerlichen Konsequenzen eine Scheidung nach sich zieht und bietet Ihnen auch bei komplexen Sachverhalten stets optimale Lösungen.

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